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Mitten drin und dabei

Wenn wir zur großen Mittagspause auf das Schulgelände der Zenzeleni Schule fahren, dann ist es meistens sehr laut. Die Kinder rennen hin und her, spielen und lachen, streiten und versöhnen sich. Mittlerweile sind wir schon bekannt und werden herzlichst begrüßt. Die Kinder kommen und umarmen uns, schauen in den Kofferraum und wollen beim Tragen helfen, erkundigen sich, wie es uns geht oder wollen im Vorbeirennen einfach nur kurz Hallo sagen. Da ist es zweitrangig, wie der Tag innerlich angefangen hat, die Kinder schaffen es doch immer uns ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir in der zweiten Klasse einen Raum gefunden haben, den wir für Ukubona nutzen dürfen. Die Schule hat nur die notwendigsten Räume (die sieben Klassenzimmer, das Office, das Lehrerzimmer, eine kleine Bibliothek, einen kleinen völlig überfüllten Abstellraum und Toiletten), aber die zweite Klasse hat nur bis zur Mittagspause Schule und so wurde uns von Busi, der Klassenlehrerin, ihr Klassenzimmer zur Verfügung gestellt.

Angefangen haben wir in den ersten Wochen mit einem Kennenlernspiel, das uns immer in einer Gruppe zusammen gebracht hat. Den eigenen Namen mit einer Bewegung in Verbindung bringen, das stellte sich als gar nicht so einfach heraus… Schnell war zu erkennen, ob das  Kind sich mit der für sich ausgedachten Bewegung identifizierte, ob es eher die vom Nachbarn imitierte, oder sie einfach gedankenverloren ausgesuchte war. Wenn die letzteren der Fall waren, dann wurde die Geste eher in einer lustigen, spielerischen Art vollzogen, wenn die Geste aber aus dem Kind heraus entstand, dann wurde sie mit großer Liebe und Kraft gezeigt.

Die ersten Wochen gestalteten sich sehr durcheinander, waren sie doch geprägt von dem Zusammensuchen der Kinder, einem sich Abtasten, Annähern, Kennenlernen und Vertrauen aufbauen. Die Grenzen werden auch heute noch sehr gerne ausgetestet. Den Kindern fehlt es häufig an einem Verständnis für eine Grenze, dem Recht auf einen eigenen individuellen Raum und der wirklichen Bedeutung von Nein. Das Leben, welches sich ihnen so alltäglich auf den Straßen des Townships zeigt ist kein Beispiel, um solche Qualitäten wirklich kennenzulernen und zu verinnerlichen. Es erfordert viel Geduld, Ruhe, aber auch einer gewissen Härte in der Durchsetzung unsererseits. Gerade auch weil wir ihre Sprache nicht verstehen, ist es immer wieder schwer einen Zugang zu finden. Die Kinder können elegant vor unserer Nase herumtanzen. Und doch, es zeigen sich auch schon Veränderungen. Einfach nur die Anwesenheit von uns, das Gefühl, dass wir vermitteln wollen, dass wir da sind, wir vertrauen und glauben, wir den Einzelnen anschauen und wahrnehmen möchten, diese Dinge bedeuten sehr viel. Sie schaffen Herzlichkeit und Vertrauen.

Wenn die Kinder zu Anfang der Stunde nun malen können, dann bringt das oft eine besondere Ruhe in den Raum. Es hilft ihnen anzukommen. Die Kinder kommen leider alle ganz unregelmäßig in den Raum, genau genommen haben wir kaum die Chance zu einer bestimmten Zeit gemeinsam anzufangen. So schafft das individuelle Malen noch einmal eine Brücke in die Stunde, in das Dasein im Raum und in der Gruppe.

Angefangen haben wir mit dem Thema Recycling. Es gibt so vieles, was einem bei diesem Wort in den Kopf kommt. Unser Fokus lag darauf, dass wir schauen wollten, was im Haus oder auf der Straße zu finden ist, was nicht verrottet und zurück in die Erde geht, sondern einfach nur liegen bleibt. Plastik, Metall und ähnliches. Die Kinder sollten schauen, was sie zuhause finden, Dinge die da sind, die sie aber nicht mehr brauchen, nicht mehr verwenden.

Bevor wir die Dinge auf ihre ursprüngliche Verwendung hin untersucht haben, gingen wir auf der Sinnesebene näher auf sie ein. Wir ließen sie über einen Ton sprechen. Jedes Ding hat einen ganz individuellen Ton. Es kann das Knistern einer Plastiktüte sein, das Klappern einer Plastikschale, das Geräusch des Zerreißens einer Zeitung, die dumpfe Vibration einer Flasche, wenn sie auf den Boden geschlagen wird, oder das blecherne Geschrei einer alten Metalldose. Am Ende entstand ein rhythmisches Klangorchester aus den vielen unterschiedlichen, ehemaligen Gebrauchsgegenständen.Nach einem solchen Erlebnis ist es doch erstaunlich, was für banale Verwendungen die Dinge im Alltag hatten. Wir wollten sie in einen ganz neuen Kontext setzten und machten sie zu Recyclingart. Nach dem Hörerlebnis ließen wir der Kreativität der Kinder freien Lauf und sie fingen an zu basteln, zu schneiden, und gaben dem ehemaligen „Müll“ eine ganz neue, individuelle Form. Es entstanden Roboter, Tiere, Spiele, Musikinstrumente oder einfach nur eine Sammlung verschiedener Materialien.

Vier Gruppen von ganz unterschiedlichem Charakter begleiten uns die Woche über. Mit den Kindern der ersten Klasse malen wir viel, mit den Kindern aus der zweiten Klasse haben wir nun angefangen Skulpturen aus Draht und Pappmaché zu gestalten und mit zwei gemischten Gruppen aus der 3.-7. Klasse geht es viel um Gruppenprozesse, wobei Türme und Tore aus zerschnittenen Kartons entstanden, die nun weiter verarbeitet werden sollen.